Zweileinwandkino

Dokumentation
Raum / Filminstallation: Im Abstand von ca. 10 m zwei große Leinwände, für synchrone Vis a Vis-Filme wie "Gegenüber" und "Rechts/Links"
Am schönsten ist das Zweileinwandkino, wenn es nicht in Betrieb ist.

  • Lutz Mommartz /

  • 1968 /

  • 3 min - DV - Farbe


  • H.P. Kochenrath, Film, Jan. 69spacer

  • Und schon hat der rastlose Lutz ein neues Projekt: die Windmühle ? acht in bestimmten Winkeln zueinander aufgestellte Projektionswände werden mittels acht Film- oder Diaprojektoren in einen permanenten Bildwirbel getaucht, und ein über allem schwebender Ventilator sorgt für den rechten Wind. Anläßlich einer Vorführung seiner Filme in der Kunsthalle Bern schrieb Mommartz: "Geht man davon aus, daß das moralische Kino bereits ein Anachronismus ist, daß darüber hinaus das ästhetische Kino keine unmittelbare Daseinsberechtigung hat, so versteht sich das Projekt "Windmühle" und in vereinfachter Form das Zweileinwandkino als Treffpunkt von Leuten, die in bestimmter Weise zwar stimuliert, nicht jedoch in irgend einer Weise bevormundet werden wollen.
    Nicht die Würdigung eines bestimmten Films oder eines Idols wird ermöglicht, sondern deren Relativierung angesichts der gerade vorherrschenden Situation.
    In der Konsequenz führt dies dazu, daß hier nicht besondere Filme, sondern stimulierendes Material gezeigt werden. Die Programmierung des Materials entweder in variabler oder in bestimmter Weise ist der eigentliche Akt der Gestaltung der jeweiligen Situation.
    Wie sehr der einzelne Film an Bedeutung verliert ("Ich möchte fast sagen, man sollte keine fertigen Filme mehr bauen, sondern für bestimmte Situationen oder zur Erzeugung bestimmter Situationen Filmmaterial einsetzen") und eine Art Präsentation an Bedeutung gewinnt, wurde unlängst bei einer Mommartz-Vorführung in der Düsseldorfer Kunsthalle deutlich: mit sieben Projektoren schoß Mommartz seine Filme durch das Publikum; es wurde eine totale Raumgestaltung mittels Filmprojektionen geschaffen. Dabei ließ Mommartz seine "Eisenbahn" gleich siebenfach donnern, während er die anderen Filme samt Negativmaterial wild durcheinander-schüttelte. Teilweise bewegte er die Projektoren, sodaß ich die Bilder verzerrten oder übereinander gerieten.
    Zu Beginn der Dokumenta 1968 in Kassel startete Mommartz in der dortigen, für die Zeit der Ausstellung errichteten Dependance des "Creamcheese" Versuche, mit zwei Leinwänden zu arbeiten, die er im Abstand von zehn Metern einander gegenüber aufstellte (dazwischen war Tanzfläche).
    In jede Leinwand hatte er ein Loch geschnitten ("Die Zerstörung der Leinwand ist wichtig. Man darf keine Ehrfurcht vor den Bild haben"), hinter dem jeweils ein Projektor stand und auf die gegenüberliegende Leinwand das Bild warf.
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