Überfordert

Mit Wolfgang Domke
Ein Mann,"gefesselt" an einen Tisch, besäuft sich, ißt Rote Beete und Sahnetorte, um kotzen zu können und im Lauf eines vielstündigen Ernüchterungsprozesses seine Vorstellung von der Zukunft zu erklären.

  • Lutz Mommartz /

  • 1969 /

  • 45 min - 16mm - Farbe


  • Die Welt, 12.3.69spacer

  • Schwierigkeiten in der Artikulation: In allmählicher Ernüchterung von einem Vollrausch, in dumpfem Stieren, Kotzen (in Farbe, das war schön!) und troglodytischem Fraß glucksen die ersten Verständigungslaute langsam aus dem Lautsprecher.
    Die Handlung geht mit fortschreitender Ernüchterung über in eine Folge von Statements, die Wolf Domke (großartig im Suff) auf Mommartz's aus dem Off gesprochenen Fragen in die Kamera quält. Alle Mühsale der holpernden Formulierung, die Sysiphusqualen des Denkens spiegeln, verdichten sich zu der Botschaft des Films: daß alle Zukunft verloren sei, wenn man nicht unter Mühen Gedanken an sie wende.
    Eine so spezifische Interpretation freilich beschränkt den Film auf eine "Botschaft", womit allein man ihm sicher nicht gerecht wird!
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  • Der Spiegel, 17.3.69spacer

  • Weniger humorvoll haben die geheimen Schrittmacher des Underground-Establishments, der Düsseldorfer Lutz Mommartz ("Überfordert") und der Kasseler Adolf Winkelmann alte Sehgewohnheiten attackiert und die Not des Individuums dargestellt. Sie verzichten auf Fabel und Schauspieler. Statt dessen erfinden sie Modell-Situationen und protokollieren mit der Kamera die Realität.
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  • Hans Schütz, NRZ, 20.3.70spacer

  • Ein weiteres hartes Beispiel, in dem der Darsteller dem Publikum direkt konfrontiert wird und es geradezu zu einer Reaktion zwingt, liefert der Film "Überfordert". Überfordert ist ein betrunkener Mann, der während des Ernüchterungsprozesses seine Utopie formulieren soll, sich dazu aber nicht in der Lage sieht.
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  • Heinz Klunker, Deutsches Allg. Sonntagsblatt, 23.3.69spacer

  • Je mehr der alkoholische Dusel weicht, umso williger schlüpft er in die wohlvertraute Rolle. Unmittelbarkeit wird abgebaut, Reflexion macht die Absicht zunichte, sinnvoll über die Zukunft zu reden.
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